3D-Seismik zum Anfassen: Vibrationsfahrzeug wird der Öffentlichkeit präsentiert

Mit bis zu 150 Grad heißem Wasser, das tief im Untergrund der Region Traunstein lagert, soll ab dem Jahr 2015 in einem Geothermie-Kraftwerk umweltfreundlich Strom und Heizenergie erzeugt werden. Damit die genaue Lage dieses Wassers, das in Traunstein in 4.800 bis 5.900 Meter Tiefe erwartet wird, festgestellt werden kann, führt die Geothermie Traunstein Projekt GmbH aktuell 3D-seismische Untersuchungen im knapp 75 Quadratmeter großen Aufsuchungsfeld in und um Traunstein durch. Das zur Chieminger EHG-Gruppe gehörende Unternehmen hat die Bevölkerung nun dazu eingeladen, das seismische Untersuchungsverfahren hautnah mitzuerleben: „Die Theorie der 3D-Seismik haben wir bereits auf unseren Bürgerinformationsabenden erläutert, jetzt wollten wir den Bürgern eine Möglichkeit bieten, die Praxis der Untersuchungen und das verwendete Spezialgerät erleben zu können“, erklärt Thomas Engmann, Geschäftsführer der Geothermie Traunstein Projekt GmbH. In Nußdorf erfuhren Interessierte mehr zu dem Verfahren, konnten ein Vibrationsfahrzeug bei der Arbeit verfolgen sowie den Verantwortlichen vor Ort ihre Fragen stellen.
12 Sekunden Vibrationen.
Im Mittelpunkt der Veranstaltung stand ein Spezial-Fahrzeug: Ein sogenanntes Vibrations-Fahrzeug. Ein Konvoi mit drei dieser Fahrzeuge ist bei der systematischen Untersuchung des Aufsuchungsfeldes seit eineinhalb Wochen im Einsatz: Alle 50 Meter hält er auf festgelegten Routen an, um eine Anregung vorzunehmen. „Bei einer Anregung senkt jedes Vibro-Fahrzeug eine Metallplatte auf den Boden ab und die drei Fahrzeuge beginnen synchron zu vibrieren“, erläutert der Geophysiker Dr. Andreas Schuck, der die Untersuchungen überwacht. Auf diese Weise wird ein Signal in den Traunsteiner Untergrund geschickt. „Ein solches Vibratorsignal dauert genau 12 Sekunden. Es startet bei einer Frequenz von 12 Hz und hat eine Endfrequenz von 96 Hz“, so Dr. Schuck. Diese Anregungen werden mehrfach wiederholt, nach maximal fünf Minuten ist die Arbeit an einem Anregungspunkt aber beendet und der Konvoi fährt weiter. Um das Vibrationsverfahren zu verdeutlichen, führten die Spezialisten der Geothermie Traunstein Projekt GmbH eine Anregung im Beisein der interessierten Bürger durch. „Da wir nur kurz an einer Stelle sind, kommt es nur zu kurzfristigen Lärm- und Verkehrsbeeinträchtigungen“, schildert Dr. Schuck. Darüber hinaus werde in bebauten Gebieten jede Anregung durch Erschütterungsmessungen begleitet, um einen eventuellen Schaden bei anliegenden Gebäuden auszuschließen.
 
Prinzip einer Ultraschall-Untersuchung.
Neben dem technischen Verfahren  auch das Prinzip der Vibrationsseismik vorgestellt, das dem einer medizinischenUltraschall-Untersuchung ähnelt: Die durch die Vibrationen erzeugten Impulse werden von den einzelnen Gesteinsschichten unterschiedlich reflektiert. An der Oberfläche nehmen hochempfindliche Sensoren, sogenannte Geofone, diese Reflektionen auf und leiten sie an einen Messwagen weiter. Mit den so gesammelten Daten können die Spezialisten schließlich ein dreidimensionales Bild des Untergrundes erstellen und vielversprechende Lagerstätten des bis zu 150 Grad heißen Thermalwassers orten. „Durch die genaue Kenntnis der geologischen Beschaffenheit des Untergrunds erhöht sich die Wahrscheinlichkeit deutlich, im Anschluss erfolgreich nach heißem Wasser zu bohren“, bestätigt Thomas Engmann die Bedeutung der 3D-Seismik.
In dem geplanten Kraftwerk, das 2015 ans Netz gehen soll, wird dieses Thermalwasser an die Oberfläche gefördert. Dort erhitzt es in einem Wärmetauscher ein niedrig siedendes Medium. Der entstehende Dampf treibt Turbinen zur Stromgewinnung an – es wird rund um die Uhr und unabhängig vom Wetter Energie gänzlich ohne Emissionen produziert. Zudem kann dem heißen Wasser noch Wärme als Heizenergie für Wohnungen und Häuser entnommen werden, bevor es in den Untergrund zurückgeführt wird und sich wieder erhitzen kann.
 
Untersuchungen in Traunstein.
Gegen Ende der Woche erreichen die Spezialisten die Stadt Traunstein und nehmen dort die ersten Anregungen vor. Bis Mitte Mai sollen die Untersuchungen in der Region abgeschlossen sein.
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Dr. Andreas Schuck (links) und Thomas Engmann (rechts) stellten ein Vibrationsfahrzeug der interessierten Öffentlichkeit vor.

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Thomas Engmann, Geschäftsführer der Geothermie Traunstein Projekt GmbH, freute sich über die vielen Besucher. Auch die Vorschulkinder des Kindergartens Nußdorf wollten ein Vibrationsfahrzeug in Aktion erleben
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